Dienstag, 31. Januar 2012

Ein Interview, ein Rückblick und die Zukunft.


Ein Jahr ist vergangen seit der Gründung von Klartext, ein kleines Jubiläum. Doch es ist keineswegs die Zeit, zu feiern! Die Diskussionen und Konflikte rund ums Kugl und andere Lokalitäten, die für die Jugendkultur genutzt werden könnten wie dem Kastanienhof oder der Villa Wiesental, haben weiter zugenommen. Ein Jahr Klartext also, aber auch ein weiteres Jahr Kultur am Gleis. Das bietet uns die Gelegenheit, zusammen mit dem Geschäftsführer des Kugls Daniel Weder auf die bewegten Tage zurückzuschauen.

Der Konflikt mit Herrn Alex Keller hatte schon längst begonnen, Solidaritätslieder waren bereits geschrieben und das Kugl hatte bereits viel Widerstand leisten müssen, als wir uns entschieden, am 12. Februar 2011 eine Petition zu starten mit der Aufforderung an die Stadt St.Gallen, alles Mögliche zu unternehmen damit das Kugl weiter bestehen kann. Auf unsere Fahnen schrieben wir ausserdem, dass wir uns für eine starke Jugendkultur einsetzen wollen.
Es war ein Jahr voller Hoffnung aber auch voller Rückschläge. So mussten wir etwa feststellen, dass sich die Stadt nicht von Anfang der Wichtigkeit und Bedeutung des Kugls bewusst war und es bedurfte einiger Hartnäckigkeit und Geduld, die Damen und Herren davon überzeugen. Es war aber auch das Jahr der grossen Solidarität: Stellvertretend dafür steht sich das Beispiel der 19 jährigen St.Gallerin, die wegen einer harmlosen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Dank vielen Spenden kam genügend Geld zusammen, um die Strafe zu begleichen.
Doch nicht nur das Kugl stand (bzw. steht noch immer) vor schwierigen Zeiten. In Rorschach schloss das Lokal „Mariaberg“ seine Tore und momentan steht auch der Kastanienhof, idealer Standort für eine lebendige Jugendkultur, vor einer Veränderung. Wir von Klartext haben in diesem Jahr unsere Energie vor allem in die Unterstützung des Kugls gesteckt. Umso mehr hoffen wir, dass sich dieser Konflikt bald löst und wir auch anderweitig aktiv werden können.

Das Interview mit Daniel Weder wurde am Donnerstag dem 26. Januar 2012 geführt.


„Das Kugl ist ein Raum, der mit Gefühlen und Energie gefüllt werden soll.“

Daniel Weder, Geschäftsführer des Kugls und neuerdings Freizeit-Politiker spricht im Interview mit Klartext über die Wichtigkeit der Solidarität, die Rolle der Politik und wo er das Kugl in einem Jahr sieht.


Matthias Fässler, Klartext: Es war ein turbulentes Jahr für das Kugl, wie hast du dieses Jahr persönlich erlebt und was hast du daraus gelernt, bzw. mitgenommen?
Daniel Weder: Etwas sehr Wichtiges, was ich mitgenommen habe ist sicherlich das Durchhaltevermögen. Das ganze Jahr hat mir persönlich auch viel Spass gemacht. Aber es sind meistens die schwierigen Zeiten, wenn du wirklich an deine Grenzen kommst, in denen du viel lernst und die dich herausfordern.

Zwischendurch drohte der Rechtsstreit ums Kugl persönlich zu werden, ist es richtig, dass dich Herr Keller auf strafrechtlicher Ebene angeklagt hat zusätzlich zum „normalen“ Prozess, der auch noch läuft?
Das ist richtig, das hat er gemacht. Mit der falschen Behauptung, dass ich die gesetzlichen Öffnungszeiten eines Gastrobetriebes nicht einhalte. Und weil ich Patentinhaber bin, fällt das automatisch auf mich zurück auf die strafrechtliche Ebene. Die Strafklage ist momentan sistiert worden, sie existiert aber noch. Die Staatsanwaltschaft hat entschieden, das Verfahren zu sistieren, um abzuwarten wie sich alle anderen Verfahren entwickeln.

Es war ein Jahr, in dem das rechtliche Hick-Hack weiter zugenommen hat, ein Jahr voller Unsicherheit und Zweifel, aber auch voller Widerstand und dem Gefühl der tiefen Solidarität. Wie wichtig oder ausschlaggebend ist, bzw. war diese Unterstützung für das Kugl?
Diese Unterstützung ist alles! Das macht das Kugl aus: eine Familie, die zusammen hält. Alle, die hier arbeiten, die das Kugl unterstützen, das ganze Publikum, welches das Kugl Woche für Woche geniesst und natürlich alle in St.Gallen, die sagen, ich kann es mir ohne Kugl nicht vorstellen und sich dafür einsetzen gehören dazu. Ohne die Unterstützung dieser Personen würde es das Kugl gar nicht geben. Es ist extrem schön zu sehen wie fest sich das verankern konnte. Ich hoffe, das bleibt noch lange so.
Es ist natürlich immer ein Geben und ein Nehmen. Für uns ist es natürlich auch ein Ansporn. Wir wollen für die da sein, die auch für uns da sind. Du willst etwas zurückgeben.

Hast du das Gefühl, dass die „Stimme des Volkes“, eben all dieser Leute, die das Kugl unterstützen, auch bei der Stadt, dem Kanton und den Gerichten angekommen ist?
Auf jeden Fall. Vielleicht war es anfänglich nicht so, weil es immer einen Moment braucht, bis etwas greift. Die Art der Politik, die wir in der Schweiz betreiben ist eine eher träge Politik. Es kommt niemand und sagt einfach: „So ist das jetzt!“, sondern es wird diskutiert. Das ist auch gut so. Aber es braucht dann auch immer viel Energie, um ein Unternehmen, ein Vorhaben oder eine Idee durchzusetzen. Ohne alle die Leute, ohne die Petition, ohne Klartext und auch ohne die Facebook-Gruppe, die gegründet wurde, hätte diese „Stimme des Volkes“ nie so eine grosse Macht oder eine solch grosse Rufweite erlangt. Und so hat ganz klar die Stadt sowie die Ämter im Allgemeinen gemerkt, dass das Kugl vielen Leuten wichtig ist. Und dem müssen sie sich annehmen. Schlussendlich sind es die Leute, die ihnen den Lohn zahlen, es sind diejenigen Leute, die sie wählen. Wenn eine Stadt, ein Kanton oder ein Staat auf sein Volk eingeht, dann wird er immer weit kommen.

Wenn wir schon bei der Politik sind: Du bist jetzt selber in die Politik eingestiegen. Was hat das für Auswirkungen gehabt auf dich und aufs Kugl?
Mein Einstieg in die Politik war schon 2008 und geschah mit den Stadtparlamentswahlen vor vier Jahren. Ich hatte nie einen Gedanken daran verschwendet, dass ich gewählt werden könnte. Dann kam die konfliktreiche Zeit mit dem Kugl und ich verspürte eigentlich nicht den Drang, mich mehr politisch zu engagieren, weil ich eine andere Philosophie vertrete: Ich habe immer versucht, Kultur aus einer wirtschaftlichen Perspektive zu betreiben. Ich habe immer gedacht, mit Kultur könne man wirtschaftlich Geld verdienen und hatte mehr ein Geschäftsmodell-Denken.

In einem Gespräch im Palace kam die Forderung, das Kugl müsse politisch werden. Ist es das geworden?
Diese Forderung wurde mehrmals gestellt, nicht nur damals im Palace. Das Kugl ist also auf jeden Fall politischer worden, obwohl man auch sagen könnte, dass ich als Person einfach politischer geworden bin.  Mein Einstieg in die Politik hat vieles vereinfacht, weil ich viel direkter mit den Leuten kommunizieren kann. Das Kugl wird sich aber nie einer Partei anschliessen oder verpflichten. Das war mir schon immer wichtig. Das Kugl ist ein Raum, der gefüllt werden soll mit Gefühlen, Energie, egal was für Leute oder Parteien dahinter stehen.

Du hast erwähnt, dass du versuchst, Kultur wirtschaftlich aufzuziehen als Geschäftsmodell. Trotzdem musste die Stadt mit 40'000 Franken eingreifen: Ist dein Geschäftsmodell gescheitert?
Nein. Das Geschäftsmodell hat funktioniert und hatte sogar begonnen, richtig gut zu funktionieren, auch wenn wir anfangs noch etwas grün hinter den Ohren waren und gewisse Dinge lernen mussten. Die Firma musste saniert werden; ein Vorgang, der enorm viel Nerven und Zeit kostete, schlussendlich aber erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Von da an ging es aufwärts. Und erst die Wende im Rechtsstreit hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir mussten so viel Geld in Dinge investieren, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Neben den Verfahrenskosten wurden uns auch die Öffnungszeiten verkürzt und somit Einnahmen reduziert. Da begann es, schwierig zu werden. Aber unser Geschäftsmodell ist auch jetzt noch nicht gescheitert: Die 40'000 Franken der Stadt waren aber schon überlebenswichtig für das Kugl. Grundsätzlich konnten wir immer die laufenden Kosten decken.

Also hättet ihr die 40'000 Franken gar nicht gebraucht?
Stell dir vor, eine Lüftung geht kaputt und irgendetwas passiert, das uns auf einen Schlag viel Geld kostet. Dann wäre es von heute auf morgen aus gewesen mit dem Kugl. Das heisst, wir können wieder normal wirtschaften. Wirtschaftlich gesehen sind wir jetzt nicht Konkurs, was wir vorher schon beinahe waren. Hinzu kommt: Wenn wir alle Arbeiten und Unterstützungen genau rechnen und auflisten würden, die hier gratis zur Unterstützung des Kugls gemacht wurden im letzten halben Jahr, dann wären schon lange mehr als die 40'000 Franken der Stadt fällig. Ganz viele Leute haben zugunsten des Kugl’s, das für einige auch ein Zuhause geworden ist, auf viel verzichtet.

Ihr standet im Sommer vor einer schwierigen Phase, da ihr nicht wusstet, wie es nach der Sommerpause weitergehen würde. Was hatte das für euch für Konsequenzen? (personelle, wirtschaftliche, technische)
Im Sommer musste ich dem ganzen Personal künden, weil wir nicht wussten, wie es weiter gehen würde. Das war eine schwierige Entscheidung, die mir sehr nahe ging. Schliesslich hatten wir im Sommer eine lange Pause. Als es dann doch weiterging, musste ich wieder alle Leute anfragen. Manche waren sofort wieder da, das war nicht selbstverständlich! Dies hat mich enorm unterstützt. Viele Leute hatten aber auch bereits einen neuen Job und so musste ich mich auf die Suche nach neuem Personal begeben. Es ist extrem schwierig, Personal zu suchen im Wissen, dass du niemandem einen sicheren Arbeitsplatz bieten kannst aufgrund der ungewissen Zukunft.

Kann man so überhaupt normal einen Betrieb führen? Ich kann mir vorstellen, dass auch das Buchen von Künstlern sich erschwerte.
Es ist extrem schwierig. Vor allem das Buchen von Künstlern ist schwierig, weil du kurzfristig handeln musst. Wir hatten das Glück, dass unser Booker so hartnäckig und gut in seinem Job ist; so konnten wir doch noch viel herausholen aus dem letzten halben Jahr. Das war der Wahnsinn! Denn die meisten Acts musst du ein halbes Jahr im Voraus buchen. Irgendwie haben wir’s hingekriegt und haben uns nie zu viel Gedanken gemacht. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Das hat zum Glück funktioniert.

Die kulturellen Anlässe wurden stets querfinanziert durch die Partys am Wochenende. Bestand oder besteht die Gefahr, dass Anlässe wie „le-Schwu“, Powerpointkaraoke, Kurz und Knapp, Jazz und wööst in Zukunft ganz aus dem Programm gestrichen werden müssen?
Grundsätzlich stand man beim „Jazz und wööst“ kurz davor, die Veranstaltung zu streichen, weil es sehr schlecht besucht war. Durch die Gründung eines Vereins und eine Defizitgarantie der Stadt konnten wir diese Veranstaltung noch länger durchführen als erwartet. Eigentlich hätten wir die Veranstaltung ja längst streichen müssen, weil es einfach defizitär war für uns. Die kulturellen Abende leben natürlich auch von Leuten, die unentgeltlich arbeiten. In Zukunft werden wir mit dem Verein „Kugl“, der gegründet wurde, versuchen, vermehrt die kulturellen Anlässe zu tragen und wenn nötig mit Kulturgeldern und Defizitgarantien von ausserhalb zu finanzieren. Aber eigentlich wollten wir nie „betteln“ gehen, sondern die Anlässe immer selber finanzieren. Wir werden aber sicherlich nicht aufhören, diese Anlässe zu organisieren.

Lass uns noch über die aktuelle Situation sprechen. Wie laufen die Vorbereitungen bezüglich des Lärmschutzes?
Die Vorbereitungen wurden bereits getroffen, als letztes Jahr die Baueingabe gemacht wurde. Seit dann liegt das aber auf Eis, da wir noch bauen dürfen. Sobald wir grünes Licht erhalten, werden wir uns an die Installation machen.

Und das hängt vom Verwaltungsgerichtsentscheid bezüglich der Einsprache von Herrn Keller und vom kantonalen Baudepartement ab?
Wenn die Beschwerde von Herrn Keller abgewiesen wird, wird unser Baugesuch vollstreckbar. Dann kann er aber das Urteil des Verwaltungsgerichtes ans Bundesgericht weiterziehen. Seine Chancen würden meines Erachtens aber schlecht stehen. Herr Keller hat die Frist nicht eingehalten, nachdem er drei Monate Zeit hatte, seinen Rekurs zu begründen.

Zuletzt hat das kantonale Baudepartement von sich reden gemacht in Bezug auf den neuen Mietvertrag. Ihr habt vom Kugl aus einen Antrag auf Befangenheit gestellt und seid damit an die Gesamtregierung getreten. Es sieht ganz so aus, als ständet ihr vor einer nächsten Zerreissprobe oder gar vor einer kleinen Schlammschlacht zwischen euch und Herrn Willi Haag und dem kantonalen Baudepartement (Vgl. Drs. 3 Interview: http://www.drs.ch/www/node/318344)
Das Drs-Interview war schockierend für mich. Wir hatten nie vor, eine Schlammschlacht zu starten und waren auch nicht diejenigen, die als erste an die Medien getreten sind. Nachdem wir von verschiedenen Medienvertretern auf die Pressemitteilung des Kantons angesprochen wurden, haben wir auf die Medienmitteilung des Kantons geantwortet. Wir hatten uns aber bis zu unserer „Antwort“ im Tagblatt lange zurückgehalten. In dieser Zeit haben wir persönlich Herrn Willi Haag angeschrieben und auf die Problematik des Vertrags und der Befangenheit angesprochen. Ihn interessierte das jedoch nicht. Er hat uns sogar aufgefordert, uns nicht mehr bei ihm zu melden. Wir sollten uns an das zuständige Amt wenden, hat er geschrieben.
Dass er nachher im Radio erzählte, dass wir hinter seinem Rücken an die Medien getreten seien und dass das Baudepartement uns mit offenen Armen empfangen hätten, war erschreckend. Das war wirklich unglaublich! Wenn es wirklich nicht so ist, dass er befangen ist, aber einige Angestellt hat, die in der Frage befangen sind, dann hätte ich als Regierungsrat die Angelegenheit schon lange abgegeben und würde nicht solche Reden schwingen am Radio. Das hat mich nochmals in der Annahme bestärkt, dass er wirklich befangen ist und dass er nicht objektiv urteilt. Deswegen haben wir auch den Antrag an den Gesamtregierungsrat weitergezogen. Das ist eine Rechtsverweigerungsbeschwerde. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals so etwas machen werde und das noch gegen einen Regierungsrat, das ist doch völlig konfus! Eigentlich will man doch so etwas nicht machen. Aber auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass uns gar nichts anderes übrig blieb. Den Kopf in den Sand stecken und zu hoffen, dass es unter diesen Umständen gut kommt, kam für uns nicht in Frage.

War die Pressemitteilung des Baudepartements, die nach einer Sitzung mit euch publizert wurde, mit euch abgesprochen?
Die Pressemitteilung des Baudepartements war insofern abgesprochen, als dass sie uns informierten, dass man eine Pressemitteilung verschicken werde. Die Begründung war, dass sie anscheinend von vielen Leuten nach dem aktuellen Stand gefragt wurden und was mit dem
Areal des Güterbahnhofes geschehen werde. Die Pressemitteilung sollte die Neugier ein bisschen dämpfen und die Leute beruhigen. Passiert ist genau das Gegenteil! Abgemacht war, dass sie lediglich schreiben, dass Gespräche stattgefunden haben mit den Mietern. Veröffentlich wurde dann aber etwas Anderes. Es ist auch ein wenig mysteriös, dass genau die drei Firmen als „Problemfirmen“ aufgeführt werden, mit denen auch Herr Keller persönlich Probleme hat. Und das hat uns nochmals im Glauben bestärkt, dass Befangenheit besteht. Alleine der Anschein von Befangenheit würde genügen für die Pflicht, in den Ausstand zu treten.
Herr Keller hat ausserdem vor mehreren Monaten geschrieben, dass er in Vergleichsverhandlungen mit dem Baudepartement sei, wo es um die Zukunft des Areals gehe. Seiner Meinung nach solle man unser neues Baugesuch sistieren. Herr Willi Haag und Frau Deillon (Anmerkung: Frau Deillon ist Rechtsanwältin und Leiter-Stellvertreterin der Rechtsabteilung des Baudepartements, berät das kantonale Baudepartement und ist persönlich gut befreundet mit Herrn Keller) bestreiteten das nun. Bei dieser Konstellation hat man das Gefühl, dass sie  hauptsächlich Herrn Kellers Anliegen vertreten.

Was sind die nächsten Schritte?
Zuerst müssen wir abwarten und hoffen. Dann müssen wir natürlich den Alltag weiter meistern, Probleme lösen, die sich ergeben. Der nächste offizielle Schritt kann erst nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts bezüglich der Beschwerde von Herrn Keller gemacht werden. Und natürlich nach der Antwort des Gesamtregierungsrates auf unseren Ausstandsbegehren in Bezug auf den Mietvertrag.
Übernächste Woche sollte der Entscheid des Verwaltungsgerichtes kommen. Bei einem positiven Entscheid, wenn Herr Keller’s Beschwerde abgewiesen wird, ist unser Baugesuch vollstreckbar und das Kugl weiterhin absolut zonenkonform mit wieder verlängerten Öffnungszeiten. Die Verhandlungen um den Mietsvertrag werden sich aber noch weiterziehen bis zum Sommer, da der Vertrag erst im Juni ausläuft.

Es scheint, als ziehe sich das Verfahren ewig weiter. Gibt es einen Punkt, wo du sagen müsstest: Bis hier und nicht mehr weiter, ich zieh meinen Hut? Was motiviert dich, weiterzukämpfen?
Das kommt immer auf den Tag drauf an. An guten Tagen würde ich nie an so etwas denken. An schlechten Tagen, gibt es Momente, wo ich zweifle und ich mich frage, ob sich das noch lohnt. Aber es kommt auch auf alle andern drauf an. Wenn die Leute weiterhin hinter mir stehen und ich die Unterstützung spüre, dann habe auch ich mehr Kraft, weiterzumachen.

Nehmen wir an, das Verwaltungsgericht entscheidet zu Gunsten des Kugls und der Mietvertrag mit dem Kanton kommt ohne Probleme zu Stande. Wo siehst du das Kugl in einem Jahr?
Wir werden uns noch intensiver auf kulturelle Anlässe fixieren. Wir haben geplant, jeden Donnerstag einen kulturellen Event zu veranstalten. Neu wird z.B. ein Impro-Theater stattfinden. Dann werden wir versuchen, die Lokalität wieder vermehrt zu vermieten, z.B. für Tanzgruppen. An den Wochenenden werden wir auch Elektro- und Hip-Hop-Acts veranstalten. Aber natürlich werden wir auch neue Gefilde ergründen. Vor allem im Konzertbereich wäre es schön, wieder Fuss zu fassen, was aber schwierig ist, da das bereits vom Palace und der Grabenhalle gut abgedeckt wird. Es stehen auch einige Renovationen an, da wir vieles vernachlässigen mussten, weil wir das Geld für den Rechtsstreit brauchten. Das Ziel ist es weiter, so viel wie möglich zu bieten, damit möglichst viele Leute glücklich sind.

Vielen Dank für die ehrlichen und spannenden Antworten!

Klartext unterstützt den Antrag des Kugls, das Baudepartement müssen wegen Befangenheit in den Ausstand treten und empfindet es als äusserst befremdend, dass das kantonale Baudepartement nicht selbstkritisch genug ist und die Angelegenheit an ein anderes Departement abgibt. Auf Anfrage von Klartext zeigte das kantonale Baudepartement sogar Verständnis für den Vorwurf der Befangenheit. Es ist dringender denn je, Druck auszuüben und klipp und klar zu sagen: Wir lassen uns das Kugl nicht nehmen, weder von subjektiven Entscheidungen im Baudepartement, das noch immer mit ihrem alten Freund, Herrn Alex Keller, in Verbindung zu stehen scheint noch von Herrn Keller selber. Wir sind überzeugt, dass sowohl die Gesamtregierung wie auch das Verwaltungsgericht den einzig logischen Schritt gehen wird und zugunsten des Kugls entscheidet.

Montag, 30. Januar 2012

Statement zum Fall ‘Kastanienhof’

Klartext nimmt Kenntnis von den jüngsten Entwicklungen rund um die alte Militärkantine ‘Kastanienhof’ in der Kreuzbleiche. Der historische Riegelbau soll an ein junges Betreiberteam vermietet werden, das darin ein Hotel eröffnen und ein Restaurant führen möchte. Nun wurde gegen die Sanierung und Neunutzung das Referendum ergriffen.
Wir bedauern zu tiefst, dass in Zukunft keine Partys mehr in dieser Form, wie es bis jetzt der Fall war, durchgeführt werden können! Gerade, weil in der Stadt St.Gallen solch ideale Standorte wie der Kastanienhof – abseits von Wohngebieten, aber doch noch relativ zentral – für Veranstaltungen über einem gewissen Lärmpegel sehr spärlich gesät sind. Mit diesem Entscheid erhöht die Stadt St.Gallen ein weiteres Mal den Druck auf sich selber enorm in Sachen Freiräumen, Jugendkultur und Veranstaltungsorten.
Das Konzept an sich weiss durchaus zu überzeugen, nur schade, dass es genau an diesem Standort verwirklicht werden soll. Es beruhigt uns, jedoch auch nur teilweise, dass das aktuelle Konzept Platz für andere kulturelle Angebote vorgesehen hat.


Es bleibt der bittere Beigeschmack, einen tollen Ort zu verlieren. Wer weiss – vielleicht wird der Plan des Hotels in ferner Zukunft über den Haufen geworfen und die
(Jugend-)Kultur kann den idealen Standort intensiver denn je nutzen.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Die Ruhe vor dem Sturm?


Lange Zeit war es ruhig geworden ums Kugl. Doch es scheint, als wäre das bloss die Ruhe vor dem Sturm gewesen.
Klartext nimmt Kenntnis von der Mitteilung des Kantons, in der ein weiteres Mal die Zonenkonformität des Kugls in Frage gestellt. (Vgl. St. Galler Tagblatt vom 16. Dezember 2011) Das ist ein kleiner Skandal und wahrlich eine grosse Frechheit!
Denn bereits jetzt wird das Kugl zonenkonform betrieben. Mit der Planung für  Lärmschutzmassnahmen und den verkürzten Öffnungszeiten hat man bereits vor langer Zeit einen grossen Schritt getan. Entweder wollte der Kanton davon keine Kenntnis nehmen oder hat es einfach versäumt, sich richtig zu informieren. Ausserdem zeugt die Tatsache, dass die Stadt von dieser Mitteilung des Kantons nichts gewusst hat, ein weiteres Mal von fehlender und intransparenter Kommunikation seitens der Behörden, den kantonalen in diesem Fall. Man muss der Stadt zugute halten, dass sie Unverständnis für die Forderung des Kantons äussert.
Eine weitere Frage stellt sich in Bezug auf die Zusammensetzung des Gremiums, das über den neuen Vertrag für das Kugl entscheiden soll: Wie kann es möglich sein, dass das kantonale Baudepartement, ehemaliger Arbeitsplatz des Herrn Alex Kellers, wieder in die Verhandlungen miteinbezogen wird? Ein Schelm, wer Böses denkt? Keinesfalls! Es ist durchaus legitim, anzunehmen, dass noch immer Verbindungen zwischen Herrn Keller und dem Baudepartement bestehen.

Wir sahen uns mit der städtischen Unterstützung und dem sich abzeichnenden Ende des juristischen Hin und Her (vgl. St. Galler Tagblatt vom 5. November 2011) kurz vor dem Ziel. Die Reaktion des Kantons wirft uns nun wieder einen Schritt zurück. Wir von Klartext werden die offizielle Reaktion des Kugls abwarten und geben dem Kanton die Möglichkeit, eine plausible Erklärung abzugeben. Sollte sich das Problem jedoch nicht klären, werden wir wieder aktiv werden, aktiver denn je. Für ein Recht auf Kultur, für den Erhalt des Kugls!

Donnerstag, 25. August 2011

Die Finanzspritze für das KuGl ist da!!!

Es gibt die erfreuliche Nachricht, dass das KuGl heute offiziell eine finanzielle Unterstützung vom Stadtrat zugesprochen bekommen hat. 40'000 Franken sollen den Fortbestand des KuGl bis Ende Jahr sichern, liess die Stadt heute mitteilen. Da sich das KuGl aufgrund des andauernden Rechtsstreit und der verkürzten Öffnungszeiten in einer schwierigen finanziellen ‚Durststrecke’ befindet, ist ein solcher Zustupf äusserst wichtig und notwendig.

In einer ausführlichen Pressemitteilung bezieht die Stadt klar Stellung und thematisiert die Wichtigkeit des KuGl für die Stadt St.Gallen besonders ausführlich. So heisst es in der Pressemitteilung: „Das KuGl ist eine wichtige Plattform für jugendkulturelle Veranstaltungen. Die Stadt hat ein Interesse am Fortbestand des KuGl als Teil des städtischen Kulturangebots, der seine eigenständige Bedeutung hat. Ein solches Angebot gehört zu einer Stadt von der Grösse St.Gallens.“
Dass ‚in breiten Kreisen’ das Verständnis dafür fehle, dass eine Einzelperson die Existenz des Betriebs bedrohen könne, nehme man zur Kenntnis, müsse aber klar festhalten, dass in einem Rechtsstaat ‚jeder Bürgerin und jedem Bürger, die ihnen zustehenden Rechte auszuüben’ freistehe.

Die Stadt wagt sich mit diesem Zuspruch auf dünnes Eis. Rechtfertigt ihr Handeln aber damit, dass das öffentliche Interesse am KuGl durch die 6472 Unterschriften, der von uns eingereichten Petition ‚Recht auf Kultur’ belegt werden und man der Tatsache Rechnung trage, ‚dass sich so viele junge Menschen für den Erhalt eines für sie wichtigen Kulturbetriebes einsetzen’.

Nebst der Finanzspritze sei man aber weiterhin auf der Suche nach Alternativstandorten.

Wir von Klartext sind äusserst zufrieden mit dieser Reaktion des Stadtrats. Es zeigt eindeutig, dass nach langer Zeit nun alles zum Erhalt des Lokals unternommen wird.


Schon letzte Woche zeichnete sich ein verstärktes Interesse ab. Stadtrat Nino Cozzio lud Klartext zu einer einstündigen Besprechung ein, die Klarheit über verschiedensten Bereiche im Fall KuGl und der allgemeinen Lage der Jugend schaffen sollte. Stadtrat Nino Cozzio, Alfred Kömme, Direktionssekretär für Bau und Planung und der Direktionssekräter für Sicherheit und Soziales Heinz Indermaur zeigten uns auf, wie schwierig die Lage aus Sicht der Stadt ist und welchen unüblichen Spielraum innerhalb der rechtlichen Schranken sie auszunutzen versuchen. Zudem konnten wir einige wichtige Anliegen anbringen. So thematisierten wir, dass in der Stadt St.Gallen eine eigendynamische Jugendkultur erst dann auferstehen kann, wenn diese von der Politik und der breiten Öffentlichkeit als ernstzunehmenden Akteur im Stadtleben anerkannt wird. Notabene einen Akteur, dem es um weit mehr geht als Alkohol und Party.

Klartext weiss dieses Engagement und das damit verbundene Risiko des Stadtrates zu schätzen. Mit neuem Elan wollen wir uns weiterhin für eine starke Jugendkultur einsetzen, da wir, die Jugend, weiterhin Gesicht zeigen sollten, sodass unsere Anliegen auch in Zukunft ernst genommen werden.

Natürlich ist der Kampf um das KuGl damit noch nicht beendet. Dennoch haben wir es gemeinsam geschafft, der Stadt auf eine korrekte Art und Weise klarzumachen, wie wichtig uns unsere Kultur ist und dass wir bereit sind, für deren Erhaltung lange einzustehen und zu kämpfen.

Jede einzelne Unterschrift, sowie der hartnäckige Widerstand haben dazu beigetragen, dass wir nun sicher bis zum Ende des Jahres das KuGl - wenn auch mit verkürzten Öffnungszeiten - geniessen können!
 

Auch wenn sich die Stadt mit diesem finanziellen Zustupf nicht völlig aus der Affäre ziehen kann und man lange auf einen solche Handlung warten musste, ist es auch mal an der Zeit zu sagen, dass dadurch ein grosser Schritt in eine richtige Richtung gemacht wurde. Bravo!
 


Den Mutigen gehört die Welt!

Dienstag, 19. Juli 2011

Offener Brief an Stadtpräsident T. Scheitlin

Sehr geehrter Herr Scheitlin

Folgend beziehen wir uns auf Ihr Schreiben, welches Sie uns kurz vor Beginn der
Sommerferien und der damit verbundenen Abwesenheit vieler Interessierten, als Antwort auf
die Petition ‚Das Recht auf Kultur‘ zukommen liessen.
 
In den gesammelten 6‘472 Unterschriften steckten grosse Hoffnungen, dass die Stadt sich
aktiv für den Erhalt des KuGl einsetzt und endlich den Puls einer lebendigen Jugendkultur zu
fühlen bekommt. Zudem erhofften wir uns nach den zahlreichen Zusicherungen und
Rückendeckungsversprechen eine konstruktive Antwort mit einem Inhalt der aufzeigt, welche
Möglichkeiten ausgeschöpft oder Massnahmen getroffen wurden oder noch werden. Denn
seit der Einreichung des Postulats ‚Hat St.Gallen ausgeKUGLt?‘ bis zu Ihrer Antwort auf die
Petition sind ein Jahr vergangen. Genug Zeit also, um proaktiv Zeichen zu setzen oder
konstruktive Lösungen zu erarbeiten und diese Aktivitäten uns dann mitzuteilen.

Ihr zweiseitiges Schreiben besteht aber lediglich aus einer 1 ¾ Seiten umfassenden
Zusammenfassung dessen, was im Fall KuGl in letzter Zeit rechtlich geändert wurde und wie
der aktuelle Stand ist. Ihr Schreiben besteht also aus 75% banalem Wiederholen von Dingen
die ein aufmerksamer Zeitungsleser sowieso bereits weiss.

Im letzten Absatz werden Sie dann konkreter: „Von der Stadtverwaltung wurde und wird –
neben der Möglichkeit eines Weiterbetriebes mit reduzierten nächtlichen bzw.
frühmorgendlichen Öffnungszeiten am jetzigen Ort – ein alternativer Standort für das KuGl
gesucht.“ Weiter heisst es: „Ihr Hinweis, die Stadt St.Gallen sei passiv und würde sich nicht
für den Erhalt des KuGl einsetzen, trifft deshalb nicht zu.“ Wir von Klartext werden also
widerlegt, bloss weil die Stadt sich für einen alternativen Standort einsetzt. Das stimmt so
nicht! Denn will man sich wirklich fürs KuGl einsetzen, reicht es nicht, nur nach neuen
Standorten zu suchen, während man dabei den ungerechten und unverhältnismässigen
Anfangskonflikt völlig ausser Acht lässt. So wird der Kläger auf ein Neues verhätschelt und
keiner der beteiligten Politiker oder Departements finden klare Worte, die diesen Missstand
anprangern.


In erster Linie denken wir hier natürlich an den Stadtrat Nino Cozzio, Direktor für Soziales
und Sicherheit. Jene Person in der Regierung, welcher dementsprechend viel am Erhalt
eines selbständig produzierenden Kulturbetriebes liegen müsste. Eine Person, die nach dem
Erhalt von 6‘472 Unterschriften – was fast 10% der gesamten Stadtbevölkerung ausmacht –
auf den Tisch hauen sollte und sagen müsste: Hier muss dringend etwas gemacht werden!
Doch bis heute schaffte es der Direktor für Soziales nicht, klar Stellung zu beziehen oder mit
innovativen Rettungsvorschlägen von sich reden zu machen. Stattdessen appellierte er stets
halblaut an Kompromissbereitschaft. Aber unter anderem auch das Jugendsekretariat machte keine Anzeichen, diesen für die Jugend herben Schlag zu dämpfen oder gar abzuwenden.
Im Gegenzug fand man andere Namen in der Presse vor, welche sich zum Thema
äusserten. Da hätten wir zum Beispiel Ernst Michel, Leiter für Baubewilligungen oder
Elisabeth Beéry, Direktorin Bau und Planung. Dass diese Personen aufgrund der
„rechtlichen Vorgaben“ nur begrenzt handlungs-und auskunftsfähig waren, liegt auf der
Hand.

Kommt dazu, dass Sie die Besucher des KuGl in Ihrer Antwort schon fast ein wenig zynisch
als „partyfreudige Jugendliche“ deren Veranstaltungen bis tief in die Nacht oder gar noch „bis
zum Morgengrauen stattfinden“ abstempeln und dass das KuGl darin praktisch nur als
Partyhöhle beschrieben wird, anstelle eines Ortes von kulturellen Wert.

Kombiniert man die Passivität der Stadtregierung mit dem, dass sie anscheinend noch eine
tiefere, gesellschaftliche Problematik in den unbegrenzten Öffnungszeiten sieht, drängt sich
eine beängstigte Erkenntnis auf: Die Stadt hat kein Interesse, die Anliegen der Jugend ernst
zu nehmen!

Das Traurigste an der ganzen Sache ist jedoch, dass die Stadt mit diesem Verhalten den
selben Weg einschlägt wie der kompromissablehnende und toleranzfremde Nachbar. Man
beruft sich stets auf „rechtliche Rahmenbedingungen“, lässt dafür kulturfremde Ämter den
Kopf hinhalten. Dass sich die Jugend aber ein starkes soziales Rückgrat wünscht, in einem
Kampf für ihre Interessen und gegen Beamtenwillkür, ist immer noch nicht erkannt worden
Ein Rückgrat, das mit öffentlichen und klaren Statements, aber vor allem auch Taten von
politisch sozialen Organen hätte geschaffen werden können!

Ein besonderes Augenmerk sollte man vor allem auf den vorher bereits erwähnten Rückzug
hinter die gesetzlichen Einschränkungen legen. Es ist verständlich, dass auch die Stadt die
Gerichtsentscheide zu respektieren und einzuhalten hat. Dennoch ist es gerechtfertigt, in
Zusammenhang mit dem Fall KuGl von einer passiven Haltung der Stadt zu sprechen. Am
besten lässt sich dies anhand eines Beispiels aufzeigen:
Die Regierung der Stadt gewährte dem Eidgenössischen Musikfest 2011 200‘000 Franken
zur Unterstützung und zusätzlich eine Defizitgarantie von 200‘000 Franken. Zudem wurde
das traditionellste aller st.gallischen Feste, das Kinderfest, kurzerhand um ein Jahr
verschoben, die Kantiprüfungen ebenfalls verlegt und an dem Ort, an welchem wir bei der
Lancierung der Petition gerne für ein paar Stündchen Musik laufen lassen wollten, für zwei
Wochen eine Bühne in der Höhe eines Hochhauses aufgestellt. Dass uns als Begründung
zum Nichterteilen der Musikbewilligung einen kommerziellen Hintergrund nachgesagt wurde,
grenzt unter Berücksichtigung des gelebten Solidaritätsgedanken aller Besucher an eine
Demütigung.

Diese Tatsachen zeigen zweierlei Dinge auf. Zum einen hätten wir die erfreuliche Botschaft,
dass man sich darum bemüht, Kulturelles zu fördern und auch bereit ist, dafür Traditionen
aufzugeben und Gewohnheiten zu brechen. Zum anderen zeigt es genau auf, was alles
möglich wäre und was im Fall KuGL versäumt wurde. Zudem muss man erkennen, dass die
Stadt kein Interesse hat, dass die Jugend etwas selbst in die Hand nimmt. Es geht so weit,
dass sie den Jugendlichen mit besagter Bewilligungsverweigerung sogar noch Steine in den
Weg legt und so versucht, sie mundtot zu machen. Ganz zu schweigen davon, dass beim
Musikfest die Nachfrage der Stadtbewohner ziemlich verhalten ausgefallen ist, während
beim Fall KuGl fast 10% mit ihrer Unterschrift das Anliegen aussprechen, die Stadt solle sich
mit ALLEN Mitteln um den Erhalt des Kulturlokals kümmern.

Quod erat demonstrandum: Herr E. Michel (Leiter Baubewilligungen) rechtfertigte sich im
Tagblatt vom 12. März 2011 auf die Kritik unsererseits an der erneut gewährten
Fristverlängerung zugunsten des Klägers, mit den Worten: „Solche Nachfristen seien üblich,
ja sogar die Regel.“ Im Vergleich zu den vorgenommenen Regel- und Traditionsbrüchen vom
Musikfest, scheint eine solche, gesetzlich nicht verankerte Regel doch das erste zu sein, wo
die Stadt aktiv ihr Interesse am Erhalt hätte aufzeigen können.

Daraus lässt sich eindeutig erkennen: Die Stadt St.Gallen ist zu passiv, um eine
Weiterführung des KuGl in gewohnter Form zu unterstützen!

Man hätte einige Möglichkeiten gehabt, der Eskalierung bis in die politisch höchsten Etagen
entgegenzuwirken. Wir von Klartext fragen uns zum Beispiel: Weshalb wurde keine
Projektgruppe gebildet, welche sich diesem Fall annimmt? Eine Projektgruppe, welche nicht
nur an der Lösung des Falles arbeitet, sondern auch eine koordinierende und
kommunizierende Funktion einnimmt.
Eigentlich hätten wir solche Massnahmen oder auch nur Ideen in Ihrem Antwortschreiben
erwartet. Leider erhielten wir ziemlich viel Nichtssagendes und nur spärlich Informationen,
was die Stadt zur Rettung beiträgt.
Warum wir auf so eine grosse Unterstützung pochen, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass
man eines nicht vergessen sollte: Die Stadt selbst ist dafür verantwortlich, dass der Kläger
überhaupt so weit kommen konnte. Ausschreibefehler, die niemals hätten gemacht werden
dürfen und deshalb von Ihnen geschickt verschweigt werden, sind ein wesentlicher Grund
dafür, weshalb wir, die Jugend, nun ein Stück Entfaltungsraum verlieren könnten.

Abschliessend bleibt uns Ihnen leider nur folgendes mitzuteilen: Ihr Antwortschreiben stellt
für uns eine Verhöhnung der Petition mit all ihren Befürwortern (6‘472 Unterschriften) dar.
Für die Stadt wäre es an der Zeit die laute Stimme der Jugend zu hören und endlich zu
handeln. Zu erkennen und zu akzeptieren, dass es nicht um partyfreudige Teenager geht,
sondern um Personen, denen ein Stück Kultur entrissen wird. Eine Jugend, die sich seit
nunmehr einem Jahr in einem ungleichen Kampf gegen Unverhältnismässigkeit und
Beamtenwillkür behauptet. In einem Kampf, in dem es einer einzigen Person möglich
gemacht wurde, die Jugend als Täter darzustellen.

Eine Jugend, die nun etwas von Ihnen fordert: Helfen Sie tatkräftig mit, dass das KuGl
erhalten bleibt und die Stadt St.Gallen nicht zu einer jugendkulturlosen Schläferstadt wird!
Die Jugend wird es Ihnen danken.

Freundliche Grüsse,
Klartext-SG





Um die vollständige Petitionsantwort des Stadtpräsidenten zu lesen, schreibt eine Mail an klartext-sg@hotmail.ch. Wir werden sie euch dann per Mail zukommen lassen!

Mittwoch, 15. Juni 2011

Ein kleiner Schritt...

Lange ist es her seit wir euch Neues berichten konnten im Fall rund ums Kugl. Nun hat die Stadt die Baueingabe zum Lärmschutz trotz der Einsprache des Nachbarn bewilligt. Somit wurde der erste Grundstein gelegt, dass das Kugl erhalten werden kann. Doch feiern kann man diesen Entscheid noch nicht. „Do stoht üs wohrschindlich no einiges a juristischem Hick Hack bevor“, sagt der Lokalbesitzer Daniel Weder glücklich über den Entscheid, aber mit einem steten Blick auf die Realität. Denn auch hier wird mit einer Einsprache gerechnet, welche sich wieder über Monate ziehen könnte, bevor man dann vor der letzten Instanz landen wird.

Fakt ist also nach wie vor: Dieses Wochenende feiert das Kugl den letzten Anlass vor einer ungewissen Zukunft. Denn bis der Fall vor Gericht nicht zu 100% abgesegnet ist, gelten die verkürzten Öffnungszeiten.

Noch keine Reaktion gibt es von der Stadt auf unsere Petition. In einer ersten Antwort hiess es, man werde wohl noch vor den Sommerferien eine Stellungnahme, bzw. Antwort abgeben. Uns bleibt nichts Anderes übrig, als auf weitere Gerichtsentscheide und Antworten der Stadt zu warten. Tragen wir bis dahin das KUGL und dessen Atmosphäre in die Welt hinaus. Tanzt auf der Strasse die Seele aus dem Leib, schaut euch Kurzfilme kurz und knapp zuhause mit Kollegen an, versucht euch im Powerpoint-Karaoke und hört weiter ausgiebig Musik oder macht sie gleich selber. Dieser Meinung wären wohl auch die Sportfreunde Stiller: HIER klicken und laut anhören!!

Freitag, 13. Mai 2011

Stellungnahme zum 'Cybermobbing-Urteil'

Klartext St.Gallen hat Kenntnis genommen von der Verurteilung der 19. Jährigen St.Gallerin, die den klagenden Anwohner des Kugls als "Seckel" und "Trurige Mensch" bezeichnete. Klartext nimmt weiter Kenntnis von der bedingten Busse über sieben Tagessätzen zu 30 Franken und den Gerichtskosten über 1250 Franken.

Bisweilen haben wir uns stets zurückgehalten, wenn es um den Anwohner A.K. als Person ging. Nicht aus Angst, mit Äusserungen juristisches Glatteis zu betreten, sondern da es aus unserer Perspektive um die Sache ging und wir unsere Energie in den Widerstand stecken wollten, ohne personenbezogene Politik zu betreiben. Die Meldung vom 9. Mai 2011 hat uns aber dazu bewogen, klar Stellung zu beziehen:

Wir möchten von Anfang an klarstellen, dass wir Beleidigungen, seien sie bösartiger Natur oder auch nur Lappalien wie im Fall der Angeklagten C.S., keineswegs unterstützen, da sie eine Art der Kommunikation fördern, die der Sache nicht dienlich ist und zu einen verhärteten Umgang miteinander führt.
Dass sich A.K. als Opfer von Cybermobbing darstellt und eine Art der Kommunikation betreibt, die man sich vom ihm zwar gewöhnt ist, die aber genauso destruktiv ist, dafür haben wir ebenso KEIN Verständnis. Der viel gebrauchte Begriff des "Cybermobbing" ist ausserdem falsch, da es sich im Fall der Angeklagten C.S. keineswegs um bewusstes Mobbing handelte. Mobbing wird als konstantes oder wiederholtes Bedrängen oder Erniedrigen definiert, davon kann in diesem Fall nicht die Rede sein! Weiter wird hier ein weiteres Problemfeld aufgedeckt, nämlich jenes des sozialen Mediums Facebook. Ohne jegliche Kompetenz über Facebook und die Gepflogenheiten der Jugend und deren Sprache hat sich A.K. über die Äusserungen zu seinem juristischen Vorgehen empört. Es soll hier nochmals klar erwähnt werden, dass die erwähnten Äusserungen der Angeklagten keinesfalls weder als Beschimpfungen noch als Cybermobbing gewertet werden dürfen. Und so kritisieren wir auch das Vorgehen seitens der Behörden. Zwei Monatslöhne einer Lernenden als Bestrafung, was Gerichtskosten letzten Endes beinhalten, sind fernab jeglicher Verhältnismässigkeit und Vernunft.

Es scheint als wolle A.K. die Täter/Opfer- Rolle vertauschen, indem er davon ablenkt wie viele Leute er mit der eventuellen Kugl-Schliessung zum Opfer machen würde und wie er seit Jahren die Täterrolle ausführt. Wir erinnern daran, dass dieser mittlerweile sehr emotionale Konflikt, unter fragwürdigen Gründen, von ihm als Einzelperson ausging.
Es zeichnet sich je länger je mehr ab, dass es A.K. nicht mehr um eine konstruktive Lösung geht. So hat er erneut Einsprache erhoben als das Kugl den Lärm mit einer Vorrichtung beim Eingang eindämmen wollte. Der erneute Gerichtskrieg, welcher von A.K. gegen die Kommentare auf Facebook geführt wurde, bestätigte erneut: für Gespräche, welche eine Lösung ermöglichen könnten, ist dieser Mann nicht bereit. Dies muss seitens der Behörden auch sanktioniert werden.
Klartext liegen Informationen vor, dass die Angeklagte sich sogar in einem Brief beim Kläger entschuldigte, darauf jedoch nicht einmal eine Antwort bekam. Und so wird ein Präzedenzfall geführt mit dem alleinigen Ziel Macht zu demonstrieren.

Wir von Klartext haben uns dazu entschieden uns an den solidarischen Aktionen zu beteiligen. Nicht, weil wir Beleidigungen unterstützen, sondern weil wir die Reaktion von A.K. unverhältnismässig und überzogen finden und ein weiteres Zeichen setzen wollen: Die Jugend steht zusammen in diesem ungleichen Rechtskrieg!